AKTUELLES: Andreas Kläne im Interview bei hr1 (MP3 Download, 1,3 MB)
DIE GESCHICHTE
Die Geschichte beginnt an einem Junimorgen im Polizeirevier von Brooksiel.
Eine zierliche, adrette Frau Anfang 50 bringt die kleinstädtische Routine der Polizisten durcheinander. Sie behauptet, soeben ihren Mann erschossen zu haben. Polizeiobermeister Udo Kemper kann der Aussage Karin Krogmanns kaum Glauben schenken. Sie spricht zu beherrscht, hat zu viel Klasse, passt in keine Schublade, in die er Mörderinnen sortiert. In ihrer Wohnung finden die Polizisten tatsächlich einen Toten.
Im Verhör scheint die mutmaßliche Täterin aus ihrem Leben kein Geheimnis zu machen. Sie erzählt von Konstantin, ihrem Mann. Er sei „der klügste, schönste und galanteste“, den sie jemals kennengelernt habe. Er sei Offizier, Jetpilot und Fluglehrer. Und nach 29 Jahren habe er etwas getan, das die scheinbar so perfekte Fassade zum Einsturz gebracht hat.
Totgeliebt erzählt die wahre Geschichte der Karin Krogmann. Vom ersten Kennenlernen bis zur völligen Hingabe zeigt der Roman den Verlauf ihres Lebens und der Liebe zu ihrem Ehemann Konstantin, der in ihren Augen perfekter nicht sein könnte. Der Roman zieht seine Leser tief in die Gefühlswelt einer Beziehung, die nach außen makellos scheint und vom Umfeld als das Paradebeispiel eines glücklichen Zusammenlebens gesehen wird.
Doch hinter dieser Fassade entwickelt sich eine Dramatik, die in einem Verbrechen endet, dass Karin Krogmann nach eigener Beschreibung „zur Unperson“ gemacht hat.
DIE TATSACHE
Was macht eine Frau zur Mörderin?
Noch dazu eine, die Jahrzehnte lang ein so genanntes „anständiges“ Leben geführt hat und
gesellschaftlich geachtet war?
Die Frage ging nicht zuletzt 1994 durch viele
Köpfe, als die Tat der Karin Krogmann bundesweit
Schlagzeilen machte.
Zeitungsredaktionen und Buchautoren wollten hinterfragen, was geschehen war, aber die Täterin
verweigerte sich ihnen. Alfred Biolek veranlasste
der Fall zu einer eigens in eine Justizvollzugsanstalt verlegte Sendung, und es gelang ihm, mit
Karin Krogmann vor der Kamera zu sprechen.
Allerdings ohne die Möglichkeit, wirklich auf die
dramatischen Details eingehen zu können.
Bereits ein Jahr zuvor besuchte der Journalist
Andreas Kläne die Täterin im Gefängnis, und er
schaffte es wie kein anderer Journalist, Zugang
zu der Frau zu bekommen, die das Verbrechen
begangen hat.
Er recherchierte anderthalb Jahre im Umfeld
und in der Vergangenheit der Täterin und ihres Mannes,
verfolgte den gesamten Gerichtsprozess und
führte zahlreiche und lange Interviews mit der
Inhaftierten im Gefängnis.
Aus den Ergebnissen seiner journalistische
Arbeit entstand ein Tatsachenroman, der ein Beitrag
zur Psychologie des Verbrechens ist.
NACHWORT VON ROLF BOSSI
Der Roman erlangt eine weitere Steigerung seiner
inhaltlichen Brisanz nicht zuletzt durch das
von Deutschlands bekanntestem Strafverteidiger
Rolf Bossi verfasste Nachwort zum Thema: „Warum
werden bei Tötungsdelikten Frauen in aller
Regel durch deutsche Gerichte härter bestraft als
Männer?“
Kritisch, aber nicht aburteilend, untersucht
er die Situation straffällig gewordener Frauen in
Deutschland und steigert damit die Brisanz der
Frage, wie weit Gerichte von einer gerechten Urteilsfällung
entfernt sind.
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